Homeschooling an der EKG

12. Juni 2020

How to do homeschooling?

Wie hat es angefangen? Es ist Freitag, der 13.März, als um ca. 12 Uhr eine Ansage durch den Lautsprecher tönt und in allen Klassen die gleiche Durchsage zu hören ist: „Wegen der Coronapandemie wird ab Montag kein Unterricht in der Schule stattfinden. Bitte nehmt alle eure Bücher und Unterrichtsmaterialien mit nach Hause. Genauere Informationen folgen. Bleibt alle gesund und passt auf euch auf.“ So war es, genau zwei Wochen vor den Osterferien. Ich war als Lehrerin in einer 5. Klasse. Zumindest wir Lehrer waren auf die Situation irgendwie vorbereitet und trotzdem wie zu Salzsäule erstarrt. Wir haben gesprochen, erklärt, beruhigt und konnten alle nicht glauben, was da gerade passiert.

Wie haben wir uns gefühlt? Keine Schule! Das klingt ja wunderbar und war es so ganz und gar nicht. Alle waren sehr verunsichert. Was wird passieren? Werden wir jetzt krank? Werden Menschen sterben? Wie lange wird es gehen? Wie sollen wir ohne unsere Freunde auskommen? Wie können wir die Tage sinnvoll gestalten? Werden wir allein zu Hause sein, wenn Mama und Papa arbeiten müssen? Wir haben es uns einfach nicht vorstellen können, dass wir uns nicht mehr sehen DÜRFEN. Wir durften nicht in die Schule! Das war zwar rational verständlich, aber für die Psyche aller, Schüler wie Lehrer, eine schwierige Situation.

Wie kann es mit dem Unterricht ohne Schule weitergehen? Wie können wir unsere Schüler sozial und in Bezug auf das Lernen effektiv unterstützen? Da wir an der EKG schon vorher eine sehr digital ausgerichtete Schule waren, gab es jetzt viele Vorteile. Die ganze Schule verfügt schon seit einigen Jahren über ein in sich geschlossenes Mail- und Dateiensystem. Auch Fünftklässler konnten hier problemlos erreicht werden, bzw. ihre Klassenkameraden und Lehrer erreichen. Es gibt innerhalb des Systems ein Aufgabentool, in das zu erledigende Aufgaben abgespeichert und Ergebnisse wieder hochgeladen werden können. Ab Klasse 7 gehen die meisten Schüler seit einigen Jahren in sogenannte Tabletklassen, das heißt, dass sie alle über ein Gerät verfügen. Der Umgang mit den Tablets war bereits eingeübt und hat funktioniert.  Quasi über Nacht entstand in Zusammenarbeit mit den Eltern, der Gemeinde, der Schulleitung und unseren digitalen Koordinatoren ein Konzept, wie der Unterricht zu Hause stattfinden kann.

Wie sieht nun eine Woche im Homeschooling an der EKG konkret aus? Ich bin Klassen- und Deutschlehrerin einer 8. Klasse: In meiner Klasse geht es morgens mit einem gemeinsamen Zoommeeting los. Zwischen 8.00 Uhr und 8.15 Uhr können individuelle Fragen geklärt oder auch nur ein privater Klönschnack gehalten werden. Die Teilnahme an der ersten Viertelstunde ist freiwillig.  Ab 8.15 ist die ganze 8a aufgestanden😊 und hat virtuell ca. 30 – 45 Minuten zusammen „Unterricht“. Hier wird der Tag strukturiert. Es können fachliche Inhalte geklärt oder Unterrichtsergebnisse präsentiert werden. Danach wird zu Hause weiter an den Aufgaben gearbeitet. Zusätzlich gibt es mit den Fachlehrern E-Mailkontakt und regelmäßige Zoommeetings.

Was sagen die Schüler/innen der 8a dazu?  Es wurden alle befragt. Insgesamt fielen die Antworten sehr positiv aus. Hier sind jetzt einige Auszüge.

Emily: Ich denke, dass es viele unterschiedliche Meinungen und Vor- und Nachteile gibt. Ich finde es gut, dass wir den Tag, wie gewohnt, gemeinsam als Klasse starten und dort Fragen stellen können. Außerdem, dass wir regelmäßig und in unterschiedlichen Fächern ausreichend Aufgaben bekommen und wir trotzdem Referate halten können, sodass die Arbeit präsentiert werden kann. Ich finde es gut, dass wir uns die Aufgaben einteilen können und entscheiden können, wann wir welche Aufgaben des jeweiligen Faches bearbeiten möchten. Es lehrt einen auch Ordnung zu halten und sich selbst zu organisieren. Ich persönlich erstelle mir am Anfang der Woche einen Plan, wo ich mir aufschreibe, was ich zu tun habe und bis wann ich es abschicken muss. Das hilft mir gut dabei, alles im Blick zu behalten. Wenn ich es fertig bearbeitet habe, lade ich es im Aufgabenmodul hoch und hake es von meiner Liste ab. Allerdings finde ich es schwer, sich Themen selbst zu erklären oder manche Aufgaben zu bearbeiten. Es fehlt einem ein wenig die Sicherheit, das vorsichtshalber noch einmal Nachfragen. Es gibt Tage, da ist man mehr und Tage, da ist man weniger motiviert. Tage, da fällt einem Vieles schwer oder es wird einem zu viel.  (…) Ich dachte zuerst Homeschooling, das kann was werden, kommt man überhaupt mit? Verstehe ich das dann noch? Aber im Nachhinein bin ich froh, dass es überhaupt möglich ist. Man arbeitet an sich selbst und lernt eine Menge dazu. Man entdeckt viele neue Seiten, die man vorher nie von sich gedacht hätte oder vielleicht nicht erwartet hätte, dass man sowas allein schafft. Danke, dass unsere Schule rund um die Uhr für uns da ist und uns dies ermöglicht hat.

Timo: Ich finde die Meetings nicht schlecht, da man die Lehrer fragen kann, wenn etwas unklar ist. Aber der Lehrer kann nicht helfen, wie im normalen Unterricht, da er vor allem nur mündlich erklären kann. Wenn man eine Aufgabe nicht versteht, kann der Lehrer auch eine Folie während des Zoommeetings einfügen, die alle dann sehen und es schriftlich noch mal erklären oder zeigen. Natürlich ersetzt das nicht das Lernen in der Schule und das Treffen mit den Freunden. Trotzdem ist es eine gute Lösung, die uns im Alltag begleitet in dieser schwierigen Zeit. Andere Schulen sind schlechter aufgestellt. Ich freue mich, wenn ich meine Freunde wiedersehe.

Anni: An sich finde ich das Homeschooling an unserer Schule gut. Die vielen Möglichkeiten und die technische Umsetzung, die uns geboten werden, sind hervorragend. Jedoch finde ich auch das Homeschooling an unserer Schule langsam nicht mehr ausreichend. Wir sind einfach schon zu lange in dieser Situation und langsam wird es auch langweilig. Außerdem wird es für uns bestimmt auch nicht leicht sein, in den normalen Schulalltag zurück zu kommen. In der Schule kann man die Lehrer immer sofort etwas fragen, wenn man mal etwas nicht verstanden hat und beim Homeschooling ist das nicht so leicht. Man kann in den Zoom-Meetings die Fragen zwar stellen und bekommt dann auch eine Antwort, aber wenn man die Antwort persönlich bekommt, ist es oft leichter zu verstehen. Außerdem finde ich es nicht schön, meine Freunde nicht zu sehen oder in den Pausen nicht mit ihnen reden zu können. Es war interessant, das Homeschooling mal zu erleben, aber persönlicher Kontakt zu Mitschülern und Lehrern ist einfach besser!

Enno: Zu den Vorteilen von Homeschooling gehört, dass man sich aussuchen kann, was man wann bearbeitet und sich auch die Zeit selbst einteilen kann. Außerdem sieht man, womit man fertig ist, wenn man die Aufgaben bei I-Serv abgibt und was man noch zu erledigen hat.
Zu den Nachteilen gehört, dass man seine Mitschüler nicht sieht und es schwerer ist, sich von den Lehrern etwas erklären zu lassen. Außerdem hat man auch keinen Sitznachbarn, den man schnell etwas fragen kann oder mit dem man zusammenarbeiten kann, was den Unterricht sehr viel einseitiger macht, da man alles alleine machen muss. Ebenfalls ist die Absprache bei Gruppenarbeiten schwierig und man ist oft von der Technik abhängig, da, wenn diese nicht funktioniert, du deine Aufgaben nicht aufrufen, abschicken, zoomen etc. kannst. Das ist bei schlechtem Internet häufig der Fall und war für einige aus unserer Klasse ein Problem. Im Großen und Ganzen finde ich Homeschooling jedoch gut, da man selbst sein Arbeitstempo bestimmen und ebenfalls die Pausen selbst festlegen kann. Außerdem kann man sich oft besser konzentrieren, da es deutlich weniger Personen gibt, die ein ablenken können.

Lene: Ich dachte früher immer Homeschooling macht mehr Spaß, aber mit der Zeit wird es immer langweiliger. Man ist nur zu Hause gewesen und konnte seine Freunde nur über Zoom sehen. Man merkt schon ein wenig, dass einem die Schule fehlt und die Erklärungen der Lehrer. Manchmal wäre das Thema vielleicht leichter gewesen, wenn man einen Lehrer an seiner Seite gehabt hätte und nicht immer nur ein Stück Papier, wo alles drauf geschrieben ist. Ich finde es gut, dass wir jetzt wenigstens wieder einen Tag in der Woche zur Schule können. So können offene Fragen leichter geklärt werden und man sieht seine Freunde wieder.

 

Fazit:  Eins ist sicher. Wir alle haben die Schule vermisst und freuen uns darüber, dass es jetzt langsam wieder losgeht! Trotzdem sind wir stolz darauf, dass wir es als Schulgemeinschaft geschafft haben, diese schwierige Situation gut zu meistern. Wir sind dankbar für die tolle Zusammenarbeit mit dem Schulträger und den Eltern.  Unsere Schüler und Schülerinnen haben weiter gelernt, wir haben unsere technischen Fähigkeiten erweitert, sind sozial miteinander in Kontakt und zum Glück auch alle gesund geblieben.

Die Klasse 8a mit ihrer Lehrerin Frau von Kirchbach